Steinheim-Kleinbottwar Der Aufbau der Zelte und der Bühne für die Wein- und Kulturtage ist harte Arbeit. Aber die Winzer sind ein eingespieltes Team. Von Cornelia Ohst

Wer das Gelände rund um die Burg Schaubeck betritt, der wittert Abgasgeruch von emsig fahrenden Gabelstaplern und Transportern.In einem von ihnen sitzt Andreas Roth.Der Chef des Kleinbottwarer Weingutes Forsthof rangiert geschickt. Es herrscht ein reges Treiben von rund zwei Dutzend Helfern. Paletten mit Zeltplanen werden ebenso von A nach B bugsiert wie lange Holzbalken und Alu-Stangen, die auf dem gräflichen Areal des Weinguts Adelmann liegen. Das Gelände wird für die Wein und Kulturtage herausgeputzt.Nach drei Jahren Wartezeit darf sich der Wein- und Musikgenießer wieder auf den geselligen Event freuen. Der erforderliche Kraftakt hierfür, der sich auf die Schultern der fünf Weingüter und des Caterers „Adler am Schloss“ verteilt, ist jedoch immens. Er zeigt sich an diesem Dienstag auch in den Gesichtern der Akteure,die schweißtreibende Arbeiten verrichten.Manch einer – Dany Arnold etwa– spielt bisweilen eine „tragende Rolle“:Stangen müssen ausdauernd gehalten werden, bis die Konstruktion stabil ist.Erstaunlich harmonisch geht der Prozess von statten, der Stunden später lauter weiße Zelte als Ergebnis vorzuweisen hat.Jeweils mit mindestens drei Mann oder Frau je Betrieb sind die Veranstalter des größten Wein- und Kulturspektakels im Bottwartal vor Ort. Organisations-Chefin Irmtraud Mühlbauer hat den Arbeitsplan dazu ausgetüftelt und im Vorfeld alle Aufgabenbereiche koordiniert, sodass die Arbeiten möglichst reibungslos ausgeführt werden können. „Leider macht sie das zum letzten Mal“, bedauert Felix Graf Adelmann, der den zeitintensiven Einsatz der Koordinatorin mit einem anerkennenden Satz beschreibt: „Sie macht das sensationell!“ Der Zeitplan ist in diesem Jahr straffer angesetzt. Lediglich eine knappe Woche soll es dauern, bis alles steht. Das gräfliche Weingut wird nicht wie bisher über zwei Wochen hinweg blockiert sein. Der Betrieb muss weitergehen. So lautet das Motto auch bei allen anderen Weingütern, die den willigen Arbeitstrupp stellen, der sich auf mehrere Standorte verteilt.Gegen 7 Uhr werden die Zelt-Materialien angeliefert. Die Module warten ordentlich aufgereiht und gestapelt auf ihren Einsatz. Richtmeister Jürgen Graf achtet auf den professionellen Aufbau, damit die Zelte Wind und Wetter trotzen können. Auch Routinier Hartmann Dippon vom Schlossgut Hohenbeilstein ist überall zu sehen. „Er hat den totalen Überblick und ist technisch unglaublich versiert“, lobt Adelmann den Kollegen,der sich bestens auskennt und mit Sachverstand auch den Fehler beim ersten Zelt ausmacht.

Dort lässt sich die letzte Seite des Dachs nicht einfädeln. Der kurze Fluch eines Arbeiters durchbricht die arbeitsame Stille. Die Helfer tricksen ein wenig. Gemeinsam drehen sie das Pavillondach um 180 Grad, wo an dieser Stelle keine Rückwand gebraucht wird. Die Zimmermann-Firma Bauer in Beilstein ist als Sponsor aufgetreten: Sie hat das große Holzpodest erschaffen, das für das Essensangebot notwendig wurde, weil es jetzt nicht mehr in der Tenne untergebracht ist. Auch das Aufstellen des größten Zeltes, der Bühne, erweist sich als schwierig: Hans Wiedenmann vom Weingut Sankt Annagarten, von Reißverschlüssen, Gummis und Gestänge umgeben, fährt mit den Augen prüfend den Verlauf der Zeltplane nach und erkennt, weshalb sich zwei Teile der Rückwand nicht miteinander verbinden lassen: Die Spannung der Plane ist zu stark. Mit zwei Stangen stemmen sich Helfer gegen die Dachverstrebung und von einem zackigen „Hopp“ begleitet lassen sich auch die restlichen Ösen nach und nach mit den Laschen verschließen. Der Aufwand für das Fest ist enorm. Deshalb ärgert sich der junge Graf regelmäßig über die Reaktionen mancher Gäste, die den Eintrittspreis von 15 Euro monieren. „Noch dazu ist das Risiko draufzulegen ungemein hoch. Wir brauchen 6500 Gäste, damit wir überhaupt mit einer Null rauskommen. Wer würde dafür dann noch einen Finger krumm machen?“, fragt sich der Weinerzeuger. Von all den Problemen ungerührt zeigt sich eine Skulptur von Gregor Oehmann. Die dralle Rundliche steht am Rande des Gartens und blickt auf das eifrige Geschehen, das sich akustisch mit dem Geplätscher des Brunnens und den Hopp-Rufen der Arbeiter mischt. An der Ostseite des Gartens geht es darum, die Zelte zu platzieren, die später dann individuell dekoriert werden. Das Gelände jedoch ist hier extrem ungleich. Ein Teil Erde musste weggebaggert werden. Unterlegkeile und Kanthölzer sorgen dafür, dass der Stand des Zeltes ausbalanciert wird. Manchmal braucht es aber auch Treppenstufen. „Isch es sehr schwer?“, fragt Dippon, der mit Annika Müller eine solche trägt. Die Adelmann- Mitarbeiterin ist – wie auch Sabine Roth – seit Jahren beim Aufbau dabei und erfahren. Salopp kontert sie: „A wa, nimm Du ruhig die leichte Seite.“ Auch die Azubine vom Weingut Bruker, Femke Gruber, packt mit an. Doch mal wieder gibt es Schwierigkeiten und Männerhände braucht es, die mit dem Spaten den schweren Eckpfosten anheben, damit eine dicke Schraube ihre Halterungs-Funktion ausfüllen kann. „Das ist halt der Preis für diesen traumhaften Platz hier“, kommentiert Hartmann Dippon die buckelige Topografie des gräflichen Anwesens.

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