Ein Hingucker

Wein Lese Land marbach + bottwartal 2/2018

Die Fensterläden der Kleinbottwarer Burg Schaubeck sind die Paten für das neue Corporate Design des Weingutes Graf Adelmann.

Das Etikett einer Flasche ist die Visitenkarte eines Weingutes. Wenngleich die Verpackung natürlich nicht alles ist, das weiß auch Felix Graf Adelmann. „Der Inhalt der Flasche muss überzeugen – aber wir stehen doch alle vor Regalen und wenn wir etwas nicht kennen, schauen wir neben dem Preis auf die Etiketten.“ Und die Etikettenvielfalt im Adelmannschen Keller in Kleinbottwar war groß. Sehr groß.Vielleicht zu groß nach Ansicht des 38-Jährigen. „Mein Vater ist auch in dieser Hinsicht sehr experimentierfreudig gewesen und über die Jahre hat sich ein Sammelsurium an Etiketten angehäuft.“ Um die acht veschiedene werden es zuletzt gewesen sein, überschlägt Felix Graf Adelmann. Einen einheitlichen wiedererkennbaren Auftritt zu generieren, hatte er sich vergangenes Jahr auf die Agenda gesetzt. Außerdem sollte das Weingut noch enger an seine Person geknüpft werden. Die Vorgaben an diverse Agenturen waren einfach und schwer zugleich. Das neue Logo sollte die 700-jährige Tradition verkörpern, aber zugleich auch modern, zeitlos und vor allem auffällig sein. Hingekriegt hat das keine Agentur, erzählt Felix Graf Adelmann. Also hat der kreative Kopf mit Freunden ein Corporate Design entwickelt und dieses dann von der Hamburger Agentur Fargo – ebenfalls Freunde – umsetzen lassen.

Felix Graf Adelmann (links) und Ruben Röder macht die gemeinsame Arbeit Spaß.

Die Idee mit den Fensterläden ist genial und bislang einzigartig zugleich. „Die Sparren sind das Zeichen einer Burg schlechthin“, so Adelmann. „Sie sind extrem auffällig und entweder das Etikett gefällt einem oder nicht. Da gibt es kein zwischendrin.“ Und sie eignen sich, um mit ihnen zu spielen – auf dem Auto, der Krawatte, der Kleidung des Verkaufsteams, dem Briefpapier, den Werbemitteln. Sogar die Hülle des ipads ist inzwischen mit den schwarz-weißen Zacken gebrandet.

Stolz und glücklich ist der Weinmacher über eine Auszeichnung, die das neue Corporate Design am 14. Oktober verliehen bekommt: den Red Dot Designpreis, der sich international als eines der begehrtesten Qualitätssiegel für gute Gestaltung etabliert hat. „Das ist für uns eine tolle Bestätigung, denn natürlich gab es auch Gegenwind – so nach dem Motto: Jetzt spinnt er total“, erzählt der 38-Jährige und schmunzelt. „Aber das bin ich.“

Das neue Corporate Design ist ein klassisches Marketinginstrument. Ist der Umstieg auf Bio auch nur eines? Nein, betont Felix Graf Adelmann. Auch als konventioneller Weinbaubetrieb sei man schon so natürlich und ehrlich wie möglich mit dem Weinberg umgegangen. Als dann im Frühjahr 2014 Ruben Röder ins Weingut kam, fügte sich eines zum anderen.

Der Kellermeister hat seine Masterarbeit dem Thema bio-dynamischer Weinbau gewidmet. „Wir sind beide davon überzeugt, dass man so gut wie möglich mit der Natur umgehen sollte, denn wir leben mit und von ihr.“ Der 2018er wird der erste Jahrgang sein, der mit Bio-Siegel den Adelmannschen Keller in Kleinbottwar verlässt – allerdings nur mit dem Bio-Logo der Europäischen Union. Einem Verband wie Demeter oder Ecovin schließt sich Adelmann vorerst nicht an. „Ich bin schon in genug Verbänden“, sagt der Kleinbottwarer Weinmacher, der beispielsweise im Verband deutscher Prädikatweingüter Mitglied ist. (kaz)

Das neue Design findet sich nicht nur auf den Flaschen, sondern unter anderem auch auf dem Cover des iPads des Chefs und auf seinem Auto.

2018-10-18T14:29:09+00:00